Welcher Luftentfeuchter passt zu mir? Der Bedarfsrechner
„Nimm 10 Liter, das reicht schon“ — solche Faustregeln führen in die Irre. Ob ein Gerät Ihren Raum trocken bekommt, hängt an Temperatur, Feuchtedifferenz und Luftwechsel, nicht an der Quadratmeterzahl allein. Dieses Tool rechnet Ihren tatsächlichen Bedarf aus und übersetzt ihn in die Zahl, die auf dem Karton steht — die beiden liegen weit auseinander.
- Rechnet mit der Magnusformel, nicht mit Daumenwerten
- Warnt, wenn ein Kompressorgerät bei Ihrer Temperatur ungeeignet ist
- Zeigt offen, welche Geräte aussortiert wurden und warum
Warum die Herstellerangabe nicht das ist, was Sie bekommen
Auf jedem Luftentfeuchter steht eine Literzahl pro Tag. Diese Zahl wird unter Normbedingungen gemessen: 30 °C und 80 % relative Luftfeuchtigkeit. Das ist tropisches Klima — und hat mit einem Keller im November nichts zu tun.
Warme Luft kann deutlich mehr Wasser tragen als kalte. Je kühler und trockener Ihr Raum, desto weniger Wasser findet das Gerät überhaupt vor, das es kondensieren könnte. Bei 10 °C bleiben von der Nennleistung rund ein Drittel übrig, bei 20 °C und 60 % etwa 40 bis 50 %. Ein Gerät mit „20 Liter pro Tag“ entzieht Ihrem Wohnzimmer also eher 8 Liter.
Genau diese Umrechnung nimmt der Rechner vor: Er ermittelt zuerst, wie viel Wasser real herausmuss, und rechnet das anschließend auf die Normbedingung hoch. Deshalb liegt die gesuchte Nennleistung immer über dem tatsächlichen Bedarf.
Warum das Luftvolumen allein nichts aussagt
Ein Rechenbeispiel, das die meisten überrascht: In einem Keller mit 40 m² und 2,3 m Höhe stecken beim Sprung von 75 auf 55 % relativer Feuchte gerade einmal rund 0,3 Liter zu viel Wasser in der Luft. Ein 10-Liter-Gerät hätte das in etwa einer Stunde erledigt.
Trotzdem ist derselbe Keller am nächsten Tag wieder feucht. Der Grund: Feuchtigkeit strömt laufend nach — durch Fugen und Lüftung, aus dem Mauerwerk, von nasser Wäsche, aus dem Erdreich. Ein Entfeuchter arbeitet also nicht gegen eine einmalige Menge, sondern gegen einen Dauerstrom. Genau diese Dauerlast berechnet das Tool über die Luftwechselrate.
Kompressor, Peltier oder Adsorption — die Temperatur entscheidet
Kompressor-Geräte (Kondensationstrockner) sind der Standard für Wohnräume und beheizte Keller. Sie kühlen Luft an einem Verdampfer ab, das Wasser kondensiert. Unterhalb von etwa 15 °C brauchen sie eine Abtauautomatik, unter 10 °C arbeiten sie kaum noch sinnvoll.
Adsorptionstrockner binden die Feuchtigkeit an ein Trockenmittel und funktionieren dadurch temperaturunabhängig. Für unbeheizte Keller, Garagen, Gartenhäuser oder das Wohnmobil im Winter sind sie die richtige Wahl. Der Preis dafür ist ein höherer Stromverbrauch.
Peltier-Geräte arbeiten thermoelektrisch, ohne Kältekreis. Sie sind leise und günstig, entziehen aber nur Bruchteile eines Liters pro Tag. Für einen Kleiderschrank oder ein kleines Bad mag das reichen — für einen Keller nicht. Der Rechner blendet sie deshalb aus, sobald der Bedarf über einem halben Liter pro Tag liegt.
Was das Tool nicht kann
Ein Luftentfeuchter behandelt Symptome. Wenn Feuchtigkeit aus dem Mauerwerk aufsteigt, eine Leitung undicht ist oder die Abdichtung fehlt, kaschiert ein Gerät den Schaden nur — die Ursache bleibt und arbeitet weiter. Bei anhaltend feuchten Wänden gehört ein Fachbetrieb hinzugezogen.
Und: Sichtbarer Schimmel ab etwa einem halben Quadratmeter ist ein Gesundheitsthema, kein Fall für Heimwerker. Das Umweltbundesamt empfiehlt hier fachliche Hilfe. Ein Entfeuchter kann verhindern, dass neuer Schimmel entsteht — vorhandenen beseitigt er nicht.
Die Rechnung selbst arbeitet mit Richtwerten für den Luftwechsel und mit Sicherheitszuschlägen je Nutzungsart. Das sind belegte Erfahrungswerte, keine Messwerte Ihrer Wohnung. Wie feucht es bei Ihnen wirklich ist, sagt ein Hygrometer für wenige Euro zuverlässiger als jede Schätzung.
Und dann?
Wenn Sie wissen, welche Leistungsklasse Sie brauchen, finden Sie im Luftentfeuchter-Vergleich alle Geräte mit Filtern nach Entfeuchtungsleistung, Tankvolumen, Technologie und Ausstattung. Achten Sie bei Dauerbetrieb besonders auf zwei Dinge, die den Alltag entscheiden: einen Hygrostat, damit das Gerät bei erreichtem Zielwert abschaltet statt durchzulaufen, und einen Ablaufschlauch, damit Sie nicht täglich den Tank leeren.